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Raimondi Zivilpoesie

Sergio Raimondi: Poesía civil | Zivilpoesie. Gedichte. Aus dem argentinischen Spanisch von Timo Berger, Broschur, 164 S., 133 x 210 mm, ISBN 978-3-942901-28-4, 15€

Innerhalb der reichen, hierzulande grundsätzlich noch zu entdeckenden zeitgenössischen Lyrik Argentiniens nimmt Sergio Raimondi eine zentrale Position ein. Seine Lyrik ist einerseits „metaliterarisch“, gelehrt und verständig zugleich, andererseits gekennzeichnet vom Bezug auf die sich wandelnde Alltagswirklichkeit Argentiniens. Es sind Gedichte, die Wirklichkeiten als Horizont der sprachlichen Durchdringung aufscheinen lassen, sich aber gleichzeitig einschreiben in jenes Universum der Texte, die mit den Theorien der Intertextualität für die Lyrik kaum hinreichend beschreibbar sind. Brechts frühe Lyrik wird hier ebenso Bezugspunkt wie die seit dem Modernismo in Lateinamerika gepflegte Tradition einer Hochschätzung des Wortes.

Dieter Ingenschay

Sergio Raimondi ist derjenige unter den neuen argentinischen Dichtern, den ich am meisten bewundere. Er hat „Poesía Civil“ veröffentlicht, ein Buch, das in absolutem Kontakt mit der Realität steht, aber gleichzeitig die Sprache unserer Zeit reinwäscht.

Arturo Carrera

Wie jeder seiner Verse von der Oberfläche sogleich in die Erfahrung sinkt, ganz gleich, ob man wach ist, währenddessen – das ist eine ernste Sache. Denn diese Dichtung ist realistisch. Die Realität kann einpacken, und später wieder zurückkommen, wenn sie nachgedacht hat. Einstweilen lesen wir weiter Raimondi, um "die konkreteren Regionen des Planeten / zu besitzen und zu regieren".

Monika Rinck

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Sergio Raimondi (*1968 in Bahía Blanca) ist Schriftsteller und Dozent für zeitgenössische Literatur an der Universidad Nacional del Sur. Er war Mitglied der Dichtergruppe Mateístas, die in den 1980er und -90er Jahren ihre und andere Gedichte verbreitete, indem sie diese in Bahía Blanca an öffentliche Wände schrieb. Nach seinem literaturwissenschaftlichen Studium arbeitete er am Hafenmuseum in Ingeniero White, zuletzt als Direktor dieser öffentlichen Einrichtung, die sich der Geschichte und Gegenwart des Hafenorts widmet. Außerdem war er mehrere Jahre als Kulturreferent in Bahía Blanca tätig. 2007 erhielt er ein Guggenheim-Stipendium für seine Arbeit an Para un diccionario crítico de la lengua. Eine Auswahl daraus erschien 2012 in der Übersetzung von Timo Berger auf Deutsch unter dem Titel »Für ein kommentiertes Wörterbuch« im Berenberg Verlag, Berlin.

Timo Berger (*1974 in Stuttgart) ist Autor und Übersetzer zeitgenössischer spanisch- und portugiesischsprachiger Literatur. Er lebt als freier Journalist, Herausgeber und Kurator in Berlin. Zusammen mit Rike Bolte gründete er 2006 das lateinamerikanische Poesiefestival Latinale. Zuletzt erschienen in seiner Übersetzung der Roman »Kryptozän« von Pola Oloixarac (Wagenbach, 2016), eine Lyrikauswahl von Luis Chaves unter dem Titel »Während ich aus den Minusgraden zurückkehre und eine beiläufige Bemerkung vortäusche« (Schiler, 2017) und der Gedichtband »Pseudo« von Martín Gambarotta (Brueterich, 2017)